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 "Illusion" 

du vergleichst dich gerne mit einem fels
tief in der brandung
und jeder schritt und jeder tritt
ist voll und ganz kalkuliert

du denkst das macht alles besser
und nebenbei auch noch glücklich
(zumindest sagst du das)
du bist herr der dinge
schreibst dein eigenes schicksal
keiner funkt dir dazwischen

dabei ist es nur
eine illusion
ein entwurf
eine vision
eine illusion

wenn du jetzt so zurückblickst
und ein kleines resumée ziehst
sag wie viel von all dem
war damals wirklich so vorgesehen

und wie viel war ein krampf
von stupider strategie
motiviert durch ideale
die nicht mal mehr du verstehst

und was davon war doch nur
(…)

und was war da nur
eine tendenz
die dich beschränkte
eine illusion

wir brauchen sie
um zu tun, was wir tun können

dabei ist es nur
(….)

 "Ich ich ich" 

ich, ich, ich, ich, ich
will kein “ich” mehr hören
ich, ich, ich, ich, will kein
“ich bin” mehr hören
ich, ich, ich, ich will kein
“ich bin glücklich” hören

ich will, dass du “wir” sagst
nicht mehr “du”
nicht mehr “ich”
nicht mehr “er”
(nicht mehr “sie”)
(nicht mehr “es”)

ich, ich, ich, ich, ich
will was anderes hören
ich, ich, ich, ich, ich will
dich flüstern hören
ich, ich, ich, ich, ich will
dich schreien hören

(…)

sag mir
was sagst du zu mir?
sag mir
was sagst du zu dir?

 "Keiner hört sie" 

glaub mir ich wünschte, es wär anders
hab eigentlich keine lust dich zu belehren
ich hab nur vor längerem erkannt, dass
sich geräusche exponentiell vermehren

dachte lang mit menschen spielt man nicht
heute mache ich das instinktiv
nur heute hab ichs nicht mehr ertragen können
also schrieb ich dir diesen bekenntnisbrief

still, still, still
du bist viel zu still
laut, laut, laut
alle anderen sind laut

die meisten schreien von der geburt an
hören danach nicht nicht mehr damit auf
sie gehören einem geheimen kult an
der sich aufmerksamkeit erkauft

leider bin ich da manchmal auch dabei
und ich glaub du bist es manchmal auch
nur inzwischen hängt mir wirklich zum hals heraus
dass man unsere sprache so missbraucht

still, still, still
du bist viel zu still
laut, laut, laut
alle anderen sind laut

keiner hört sie

 "Leblos" 

man hat uns gesagt
leute bleibt stark
knickt bloß nicht ein
soll das unser leben sein?

scheiss drauf, ich gebe auf
schau in den pistolenlauf
mir hängt da was am bein
das muss wohl unser leben sein

du hast dich lang genug betäubt
und in fremden schemen gedacht
dein gewissen gewischt und poliert
es dir leicht gemacht

doch das ist jetzt vorbei
du verrätst uns alle so – leblos
das kann so nicht bleiben
du verrätst uns alle so – leblos

man hat uns erzählt
wie die zukunft so geht
und wir nehmen es an
wie ein chamäleon

und zusammen geben wir auf
schauen in den pistolenlauf
drehen um und knicken ein
was wird morgen unser leben sein?

lang genug hast du verzichtet
und in fremden schemen gedacht
und den großteil deines feierabends
vor dem tribunal verbracht

 "Wissenschaft" 

als man uns unsere freiheit nahm
war alles anders als es vorher war
der objektive fakt wurde ein erlebnis
das sich zunächst dem beweis entzog

als man uns unseren glauben nahm
fingen wir endlich zu denken an
zum ersten mal machten wir uns nichts mehr vor
und alle wissenschaftler sangen im chor

wir tun nicht was wir wollen
wir wollen bloß was wir tun
all die zeit haben wir falsch herum gedacht
und unsere schuld ist jetzt passé
und rache nimmt auch keiner mehr
all die zeit haben wir falsch herum gedacht

als man uns unseren willen nahm
fingen die probleme erst richtig an
wir zogen eine menge falscher konsequenzen
und missbrauchten sie als legitimation

als man uns unsere freiheit zurückgab
von dem einen auf den anderen tag
lehnten wir ab und lachten sie aus
und mit der wissenschaft sangen wir laut

die vorbereitung läuft
noch sind wir nicht bereit

 "Scherben" 

seit dreißig kilometern im gedankenstau
die beliebigkeit scheint an der macht zu sehen
ich bin doch keine maschine, es sieht nur manchmal so aus
klar, es liegt an mir und nicht an dir, das hab ich eingesehen

wenn all jene scherben hinter mir
zusammengekehrt sind
dann wirst du sehen, wer ich bin
dass mein leben von vorn beginnt
wir werden uns in hingabe verlieren
und leben nur für uns
werden sehen, wer wir sind

ich könnte dir von einer meiner visionen erzählen
käm ich nur wieder drauf, wie waren die noch gleich?
in meinem kleinen buch stehen millionen ideen
in letzter zeit verlier ich das teil nur so leicht

 "Dieser Moment" 

als ich mich verlief
lief ich so schnell ich kann
übersah den augenblick
als es begann

meine droge warst du
deine nebenwirkung ich
der kalte entzug bekam mir nicht
war nicht konsequent genug

in dieser zeit
an diesem ort
zu dieser zeit

als ich mich wiederfand
fand ich dich nebenan
ein montag im mai
ist jetzt nach dir benannt

ich sah uns beide liegen
zwischen bier und beton
in diesem moment wusste ich
ich war endlich angekommen

(…)

dieser moment
könnte erfüllter nicht sein
denn die tragik des lebens
lässt mich mit dir kurz allein

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